Gesprächsthemen 15. Spieltag: Genervte Trainerin, Rückschlag, Aufstieg im Tor
- 25. Jan.
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Aktualisiert: 14. Feb.
Spieltag 15 der Bundesliga ist Geschichte – zumindest halbwegs. Bei zwei Spielen kam das Wetter in die Quere, beide Partien mussten abgesagt werden. Gesprächsstoff gibt es dennoch genug: Union Berlin, die SGS Essen und der 1. FC Köln stehen im Mittelpunkt.

Die Winterpause ist zu Ende – der Winter allerdings noch nicht. Daher fanden an diesem Spieltag nur fünf der sieben Partien statt. Besonders torreich war der Spieltag ebenfalls nicht: Nur 13 Treffer wurden erzielt. Gesprächsthemen gibt es dennoch genug. Das bleibt von Spieltag 15 hängen.
Union Berlin: Ailien Poese ist genervt
Ohne den Platzverweis geht es in der Analyse nicht. Denn er schwächte vor allem die Unionerinnen – obwohl Leverkusen die Partie in Unterzahl beenden musste. Was die Überzahl jedoch im Spiel von Union auslöste, war bemerkenswert: Auf einmal wollte kaum ein sauberes Zuspiel mehr gelingen, Hektik und Unsicherheit schlichen sich in fast jede Aktion. Zum Zeitpunkt der Gelb‑Roten Karte für Ruby Grant (68. Minute) führte Union noch mit 1:0. Dass am Ende ein 2:1‑Sieg für Leverkusen heraussprang, ist über 90 Minuten betrachtet nicht unverdient – allerdings trug Union in der Schlussphase entscheidend dazu bei. Ausschnitt aus Trainerin Ailien Poeses Fazit bei Magenta Sport: „Das nervt mich.“
In der Winterpause hatte Union investiert und mit Amber Tysiak eine Stammverteidigerin aus England von West Ham United verpflichtet. Sie stand auf Anhieb in der Startelf. In der zweiten Halbzeit kam mit Lia Kamber (FC Basel) eine weitere neue Spielerin in die Partie. Außerdem spielte Tanja Pawollek nach langer Verletzungspause wieder von Anfang an, und Stürmerin Hannah Eurlings, ein Toptransfer aus dem Sommer, kam nach langer Ausfallzeit zu ihrem Saisondebüt.
Also etliche neue Gesichter, die das Potenzial des Teams künftig anheben dürften. Gegenwärtig hakt es im Spiel des ambitionierten Aufsteigers jedoch: Hinten fehlen bisweilen Sicherheit und Stabilität, vorne mangelt es zu oft an der Effektivität – eine Frage der Nerven oder der Qualität?
Ein Beispiel unter vielen in dieser Saison: Eileen Campbell überzeugt in jeder Partie mit herausragendem Einsatz, doch vor dem Tor agiert sie bislang unglücklich. Gegen Leverkusen hatte sie in der 85. Minute die große Chance, Union wieder mit 2:1 in Führung zu bringen – brachte jedoch nur einen harmlosen Flachschuss direkt auf Torfrau Anne Moll zustande. Solche Szenen haben dem Aufsteiger bereits einige Punkte gekostet – und Poese etliche Nerven. Besserung dürfte sich Union demnächst durch eine fitte Eurlings erhoffen.
1.FC Köln: Irina Fuchs rettet und erhält das Vertrauen
Als Team hat der 1. FC Köln mit dem Sieg gegen den SC Freiburg (1:0) einen neuen Vereinsrekord aufgestellt. Die nun 24 Punkte sind für die Frauen‑Abteilung eine Bestmarke in der Bundesliga. In der Tabelle rückt der FC immer näher an Europacup‑Platz drei heran. Trainerin Britta Carlson ist jedoch klug genug, diesem Thema öffentlich keine größere Bedeutung beizumessen.
Bei einer Personalie wurde Carlson hingegen konkret: Irina Fuchs steigt vorerst zur festen Torfrau der Kölnerinnen auf, obwohl Lisa Schmitz und Aurora Mikalsen inzwischen wieder einsatzbereit sind. Gegen den SC Freiburg stand die Schweizerin nach Spielschluss ohnehin im Mittelpunkt: In der Nachspielzeit erhielt der Sport‑Club einen Elfmeter, den Fuchs beim Herauseilen verursacht hatte – den Strafstoß von Luca Birkholz wehrte sie anschließend jedoch per Fuß ab.
Zugegeben: Der Elfmeter war nicht gut geschossen. Allerdings suchte Fuchs vor der Ausführung das Gespräch mit der Schützin – es wirkte stark nach Trash Talk, eine bemerkenswerte Abgezocktheit für eine 20‑Jährige. Ob Birkholz sich davon verunsichern ließ, weiß nur sie selbst. An Ausstrahlung und Selbstbewusstsein mangelt es Fuchs jedenfalls nicht – das kann durchaus einschüchtern. Besser machte es zuvor übrigens Martyna Wiankowska, die per Elfmeter in der 43. Minute den Siegtreffer für Köln erzielte.
Seit Spieltag fünf steht Fuchs nun im Tor des FC und hat ihren Anteil am guten Lauf der vergangenen Wochen. Dass Carlson ihr weiterhin das Vertrauen ausspricht, ist nur folgerichtig. Fuchs hat ihre Chance genutzt.
SGS Essen: Erheblicher Rückschlag
Es war die Partie an diesem Wochenende, bei der am meisten auf dem Spiel stand: Hamburger SV gegen die SGS Essen. Am Ende siegte der HSV mit 2:1. Aufgrund ihrer Erfahrung und der guten Tendenz vor der Winterpause hätte ich Essen im Vorfeld leichte Vorteile zugesprochen. Der Auftritt gab indes zu denken – gerade in der Offensive. Selbst gegen den HSV, der in der Hinrunde defensiv alles andere als stabil wirkte, gab es zu wenig Strafraumszenen der SGS.
Insbesondere im Aufbau fehlten zu oft Ruhe und Genauigkeit, Spielfluss kam zu selten zustande. Gegen den HSV hätte ich gedacht, dass Essen in dieser Hinsicht mehr aufbieten kann. Dass beide Gegentore nach individuellen Fehlern fielen, passt ins Bild: Zunächst versprang Lany Bäcker vor dem Strafraum ein Querpass, den Sophie Hillebrandt zum 1:0 nutzte; in der Nachspielzeit handelte sich Essen nach einem Rempler von Vanessa Fürst einen Elfmeter ein – erneut traf Hillebrandt. Der Strafstoßpfiff war eine harte Entscheidung; in sieben von zehn Fällen bleibt er vermutlich aus. Eine Fehlentscheidung war es jedoch nicht.
Die Ausgangslage im Abstiegskampf hat sich gedreht – nicht nur vom Ergebnis her, sondern auch im Gesamteindruck. Der HSV steht nun einen Zähler vor Essen. Ebenso wichtig aus Sicht der Hamburgerinnen: Der Aufsteiger hat dem Druck des Gewinnenmüssens standgehalten und agierte im Vergleich mit Essen als das deutlich zielstrebigere Team. Das war nicht unbedingt zu erwarten.
Winter‑Verpflichtungen wie Innenverteidigerin Magou Doucouré und die eingewechselte Offensivkraft Camilla Linberg haben zudem angedeutet, dass sie für das Team spielerisch ein Gewinn sein können. All das stärkt die Situation des HSV im Abstiegskampf erheblich. Es ist nur eine Momentaufnahme – aber aus dem direkten Duell geht die SGS als deutlicher Verlierer hervor.
Was war sonst noch?
Bayern München setzte im heimischen Schneetreiben seine Siegesserie fort und feierte einen glanzlosen 3:0‑Sieg gegen RB Leipzig. Der 1. FC Nürnberg bleibt indes ein unbequemer Gegner und holte beim 1:1 gegen Werder Bremen einen Punkt, was für Bremen womöglich eine kleine Enttäuschung ist. Die Partien zwischen Carl Zeiss Jena und dem VfL Wolfsburg sowie zwischen der TSG Hoffenheim und Eintracht Frankfurt fielen witterungsbedingt aus.



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