Rheinisches Derby, Wolfsburger Probleme und wer hat sich als HSV verkleidet?
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Aktualisiert: vor 6 Tagen
Spieltag 18 der Bundesliga ist Geschichte. Erneut muss eine Partie ausfallen. Dafür feiert der Hamburger SV einen bemerkenswerten Kantersieg gegen die TSG Hoffenheim, der VfL Wolfsburg hat offensichtlich ein spielerisches Problem und das rheinische Derby sieht einen klaren Sieger.

Spielabsagen haben aktuell einen Lauf in der Bundesliga. Auch an Spieltag 18 gehen nicht alle Partien über die Bühne – zum Abschluss am Montag ist der Platz bei Werder Bremen durch erneutes Winterwetter unbespielbar. Ergo ist Bayern München umsonst angereist. Immerhin gab es von Freitag bis Sonntag Fußball. Passend zu Karneval haben die Terminplaner sich den Spaß erlaubt, das rheinische Derby anzusetzen – mit einem klaren Sieger trotz knappen Ergebnisses. Der VfL Wolfsburg patzt gegen die SGS Essen und die TSG Hoffenheim weiß womöglich selbst noch nicht, was gegen den Hamburger SV passiert ist. Die Gesprächsthemen.
Rheinisches Derby: Bayer Leverkusen gewinnt das Karnevalsduell
Der Rheinländer lässt sich bekanntlich die gute Laune nicht verderben. Erst recht nicht an Karneval. Trainerin Britta Carlson stammt allerdings gebürtig aus Kiel; statt Frohsinn war bei ihr am Wochenende womöglich auch etwas Unmut dabei. Erst das 0:0 gegen die SGS Essen, dann die 1:2-Niederlage am Freitag im rheinischen Derby gegen Bayer Leverkusen: Der 1. FC Köln muss seine Einladung an den Tisch der Europapokalanwärter vorerst zurückgeben. Eine ehrgeizige Trainerin wie Carlson wird das gewiss ärgern.
Das Spiel gegen Leverkusen zeigte, welcher Entwicklungsschritt den Kölnerinnen noch bevorsteht. Beide Teams lieben es, den Gegnerinnen auf den Füßen zu stehen; entsprechend intensiv wurde die Partie geführt. Aus dem gegnerischen Pressing befreite sich Leverkusen jedoch deutlich besser und nutzte anschließend die offenen Räume in der Kölner Defensive.
Köln wiederum fand mit dem Druck der Leverkusenerinnen vor allem im Mittelfeld kaum Zugriff. Das ging zulasten der Anbindung an Stürmerin Sandra Maria Jessen. In diesem Bereich fehlen Köln noch Dynamik und spielerische Elemente, um sich konstruktiv aus dem gegnerischen Pressing zu befreien. Oft war der lange Ball das Mittel der Wahl – zumeist ohne Abnehmerin.
Erst die Schlussoffensive entfachte Gefahr. Vor allem die Einwechslung von Martyna Wiankowska belebte das Spiel der Kölnerinnen. Umso überraschender, dass die Polin, zuletzt eine eindeutige Leistungsträgerin, gegen Leverkusen nicht zur Startelf gehörte. Der 1:2-Anschlusstreffer durch Pauline Bremer (88. Minute) kam zu spät.
Insgesamt war der Sieg für Leverkusen verdient. Das Team von Roberto Pätzold kontrollierte die Partie über 80 Minuten. Im Kampf um Platz drei wirkt Leverkusen aktuell als formstärkstes Team.
VfL Wolfsburg: Spielerisch deuten sich zunehmend Probleme an
Meisterschaftsansprüche sind nach dem 1:1 gegen die SGS Essen vermutlich endgültig durchzustreichen. Trainer Stephan Lerch dürfte das für den Moment womöglich egal sein – ihn wird eher der Auftritt seines Teams ärgern. Die Partie lief fast ausschließlich in Richtung des Essener Tores, nur kam Wolfsburg selten wirklich nahe heran.
Am Ende wies die Statistik für Wolfsburg laut „FotMob“ 76 Prozent Ballbesitz und 697 Pässe aus, 348 davon in der gegnerischen Hälfte – Essen kam insgesamt nur auf 228. Hinzu kamen 20 Abschlüsse, allerdings nur fünf davon aufs Tor. Essen verteidigte zwar oft mit allen zehn Feldspielerinnen eng vor dem eigenen Sechzehner, angesichts der Kaderqualität des VfL hätte ich allerdings erwartet, dass Wolfsburg mehr Lösungen dagegen findet.
Oft lief der Angriff über rechts und Svenja Huth, die Flanken ins Zentrum schlug. Daraus entstanden zwei bis drei gefährliche Szenen. In Summe ist das für das Angriffsspiel eines Champions-League-Teilnehmers jedoch zu wenig. Zumal Lerch nach dem Champions-League-Spiel am Mittwoch gegen Juventus Turin (2:2) auf eine große Rotation verzichtete. Es fehlte an Tempo und kreativen Momenten. Erst in der Schlussphase musste sich SGS-Keeperin Kim Sindermann mehrfach auszeichnen.
Diese Probleme, sich gegen defensiv gut eingestellte Teams Chancen herauszuspielen, sind ein wiederkehrendes Muster der jüngsten Wolfsburger Auftritte. Schon gegen den 1. FC Köln (2:1) blieb Wolfsburg offensiv lange zahnlos. Ähnlich sah es zum Rückrundenstart gegen den Hamburger SV (3:1) aus. Der VfL gewann zwar beide Spiele, meist aber dank individueller Klasse und später Tore. Spielerisch stockt die Entwicklung etwas. Zumindest entsteht dieser Eindruck.
„Mit der gesamten Leistung können wir so nicht zufrieden sein. Jetzt müssen wir erst einmal sacken lassen und verdauen, was da passiert ist“, sagte Lerch hinterher beim "NDR". Die volle Konzentration gilt nun dem Champions-League-Rückspiel gegen Juventus Turin. Dann braucht es eine erhebliche Leistungssteigerung.
TSG Hoffenheim: Wer hat sich da als HSV verkleidet?
Ich bin zu uninformiert, um beurteilen zu können, welche Rolle Karneval in Sinsheim spielt. Ein Rheinländer hätte aber gewiss den Kommentar abgegeben: Wer hat sich denn da als Hamburger SV verkleidet? Mit 4:0 besiegte der HSV am Sonntag die TSG Hoffenheim. Ein Ergebnis zum Augenreiben.
Bei Trainerin Eva-Maria Virsinger führt das Wort „Hamburger“ inzwischen womöglich eher zu nervösem Augenzucken. Als Virsinger noch die Co-Trainerinnenjacke des VfL Wolfsburg trug, musste sie eine späte Aufholjagd des HSV zum 3:3 mitansehen. Nun, in der Cheftrainerinnenjacke der TSG, erlebte sie gegen die Hamburgerinnen den ersten Stimmungsdämpfer ihrer Amtszeit.
Das Ergebnis klingt vernichtend genug, drückt aber nur teilweise aus, wie problematisch der Auftritt der TSG war. Die Spielweise des HSV, jeden Zweikampf zu suchen und eng an jeder Gegenspielerin zu stehen, schien die Hoffenheimerinnen schlicht zu überfordern. Die TSG agierte auffallend fehlerhaft: viele hanebüchene Abspielfehler, wenig Unterstützung durch Anspielstationen im Spielaufbau und insgesamt zu wenig Ideen. Auch in vielen entscheidenden Zweikämpfen sah das dürftig aus. Die grundlegenden Qualitäten der TSG waren diesmal offenbar nicht mit ins Stadion gekommen.
Der HSV hätte sogar höher gewinnen können. Laut „FotMob“ verbuchte Hamburg 13 Abschlüsse, vier davon wurden als Großchancen eingeordnet, neun Schüsse gingen aufs Tor. Daran gemessen zeigte der HSV sein bestes Saisonspiel. Die damit verbundene Frage: Hatte die TSG einfach einen gebrauchten Tag – oder ist der Auftritt ein Hinweis auf eine positive Entwicklung in Hamburg?
Camilla Lindberg ist zumindest eine Bereicherung für das Offensivspiel – das haben nicht nur ihre beiden Tore bewiesen. Vor allem das Umschaltspiel gewinnt mit ihr an Kontur und sticht noch stärker als Qualität heraus. Melanie Brunnthaler erhält ohnehin an jedem Spieltag ein neues Fleißkärtchen um den Hals. Und Lotta Wrede demonstrierte bei ihrem Treffer zum 3:0 einmal mehr, dass das Spiel für sie offenbar langsamer abläuft als für viele andere Spielerinnen auf dem Feld: Wie ruhig die 17-Jährige frei vor TSG-Torhüterin Laura Dick aus spitzem Winkel blieb, eindrucksvoll.
Für Virsinger bringt die Partie hingegen früh unangenehmen Redebedarf im Team mit sich. Der Auftritt war für eine Mannschaft mit Chancen auf den Europapokal indiskutabel.
Was war sonst noch?
Union Berlin liefert einmal mehr ein Spiel der Kategorie: Das darf niemals verloren gehen. Gute Torchancen lässt Union liegen und kassiert in der 85. Minute durch Svenja Fölmli den 1:1-Ausgleich. RB setzt seinen guten Lauf zu Jahresbeginn hingegen fort und schlägt den 1. FC Nürnberg mit 3:1. Während Leipzig damit vorerst die Abstiegssorgen hinter sich lassen kann, sind sie in Nürnberg wieder präsenter. Eintracht Frankfurt verbucht zudem einen souveränen 4:1-Erfolg gegen Carl Zeiss Jena. Geraldine Reuteler zeigt mit drei Toren ihre Klasse, die sie zuletzt nur sparsam einsetzte.



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