Gesprächsthemen 26. Spieltag: Abschied ins Ungewisse. Abschied mit Auszeichnung. Abschied mit Tränen
- 18. Mai
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Aktualisiert: 19. Mai
Der 26. Spieltag der Frauen-Bundesliga ist Geschichte. Alle Augen waren auf Alexandra Popp gerichtet, deren Abschied beim VfL Wolfsburg beinahe Stoff für Hollywood ist. Mit der SGS Essen verlässt hingegen ein Stück Geschichte die Liga. Die Gesprächsthemen.

Letzter Vorhang für die Spielzeit 2025/26. Zum Abschluss gab es reichlich Feierlichkeiten, Tränen und Verabschiedungen. Im Mittelpunkt: Alexandra Popps letzter Auftritt im Trikot des VfL Wolfsburg, der letztlich zum Bilderbuchabschied wurde. Weniger erfreulich verlief der Spieltag für die SGS Essen: Der Klub verliert nach 22 Jahren seine Erstliga-Zugehörigkeit. Ein Sieg blieb den Essenerinnen zum Abschluss im sogenannten „Highlightspiel“ verwehrt, Applaus vor einem Rekordpublikum gab es trotzdem.
Nicht untergehen darf die Torjägerinnenkanone für Larissa Mühlhaus. Und als Erkenntnis: Ein Konferenzformat für die Frauen-Bundesliga bietet sich ideal für den Sonntagnachmittag an – die Gesprächsthemen des 26. Spieltags.
Abschied ins Ungewisse
Der Termin war von Anfang an etwas gewagt gewählt: Die SGS Essen bestimmte ihr letztes Saisonheimspiel zum sogenannten „Highlightspiel“ im Stadion an der Hafenstraße. Die Gefahr bestand jedoch frühzeitig, dass die Fansause letztlich mit dem Abstieg zusammenfällt. Genau das ist nun geschehen. Und ja, es hätte durchaus andere Termine gegeben – beispielsweise das Heimspiel am 25. April gegen Carl Zeiss Jena.
5738 Zuschauerinnen und Zuschauer kamen ins Stadion. Womöglich hatte sich die SGS etwas mehr Publikum erhofft. Im Prinzip ging es aber nur noch darum, Abschied aus der Bundesliga zu nehmen. Denn es hätte ein riesiges Fußballwunder gebraucht, um die drei Punkte und die um elf Tore schlechtere Tordifferenz zum Hamburger SV aufzuholen. Fußball ist zwar ein Spiel der Hoffnung. Aber diese Aufgabe war zu groß.
Essen bot trotzdem ein würdiges Abschiedsspiel, vergab aber einmal mehr beste Chancen. Am Ende stand ein 1:1 gegen den SC Freiburg. Nach Abpfiff erhielt das Team viel Applaus und Zuspruch von den Rängen. Doch 22 Jahre 1. Bundesliga sind in Essen vorerst beendet. Gleichzeitig muss sich die Liga damit vom letzten unabhängigen Frauenverein verabschieden. Auch das ist das Ende einer Ära. Künftig besteht die Liga nur noch aus Frauenabteilungen von Lizenzvereinen.
Ob die SGS schnell zurückkehrt? Ungewiss. Das gilt ebenso für Carl Zeiss Jena. Beide Teams stehen vor einem personellen Neuaufbau in der 2. Liga. Fraglich ist, ob sie damit von Beginn an oben mitspielen. Die Konkurrenz ist groß – und finanzstärker: Viktoria Berlin will mit Investorenunterstützung in die 1. Bundesliga, Borussia Dortmund hat Großmachtfantasien im Frauenfußball.
Zum BVB gehört allerdings die Fußnote, dass das Team überhaupt erst einmal in die 2. Bundesliga aufsteigen muss. Das ist aktuell noch nicht fix. Sollte das jedoch gelingen, ist Dortmund in der kommenden Zweitligasaison kaum aufzuhalten.
Für Essen und Jena dürfte das den Wiederaufstieg erschweren.
Abschied mit Auszeichnung
Der zuständige Kicker-Redakteur stand samt Torjägerkanone am Spielfeldrand schon bereit. Doch Larissa Mühlhaus wurde zu diesem Zeitpunkt noch von ihren Mitspielerinnen kollektiv in die Luft geworfen. Erst danach war Zeit für die Zeremonie: die Übergabe der Kanone, Fotos für die Zeitgeschichte. Anschließend ging es zum Bremer Fanblock beim Gastspiel in Leverkusen – und zu weiteren Feierlichkeiten mit dem Team.
Für Mühlhaus war es der perfekte Abschied. Sie war gleichauf mit Selina Cerci und Pernille Harder als Führungstrio der Torjägerinnenliste in den letzten Spieltag. Alle drei standen bei 16 Toren. Aber nur Mühlhaus gelang ein weiterer Treffer. Natürlich per Strafstoß – ihr zehnter verwandelter Elfmeter in dieser Spielzeit. Rekord. Es waren ohnehin die ruhenden Bälle, die Mühlhaus zur Torschützenkönigin machten: Gegen Jena verwandelte sie zuletzt eine Ecke direkt, hinzu kam ein Freistoßtor.
Beinahe wäre Mühlhaus in Leverkusen ein weiterer Treffer nach einem Eckball gelungen. Ein direkt aufs Tor gezogener Ball prallte jedoch von der Schulter der Leverkusenerin Selina Ostermeier ins Netz und wurde als Eigentor gewertet. Für die Torjägerinnenkanone reichte es aber auch so.
Die Trophäe bleibt derweil nicht in Bremen, sondern dürfte Mühlhaus vermutlich beim Umzug nach Frankfurt begleiten. Denn dort steht sie ab der kommenden Spielzeit unter Vertrag. Werder wird die Torjägerin gewiss fehlen.
Abschied mit Tränen
Kurz vor der Auslinie stoppte Alexandra Popp noch einmal. Sie beugte sich nach vorne, sog den letzten Moment für sich auf dem Spielfeld noch einmal auf. Dann richtete sie sich auf und übertrat die Linie zur Auswechslung. Das Ende einer Ära beim VfL Wolfsburg.
14 Jahre spielte Popp für den Verein. In diesem Zeitraum hatte sie großen Anteil an einem üppig gefüllten Trophäenschrank und stieg zur populärsten deutschen Fußballerin auf. Ihr letztes Spiel fand nun in der großen Volkswagen Arena statt: Es gab extra Popp-Abschiedsshirts, eine Popp-Choreo und 50 Liter Freibier für jedes VfL-Tor.
Popp machte dann das, was sie über all die Jahre in Wolfsburg gemacht hatte: Tore erzielen. Eins per Kopf, eins per knallhartem Freistoß. Fast zu kitschig. Aber der verdiente und logische Schlusspunkt ihrer langen Erfolgszeit in Wolfsburg, die in der 57. Minute die angemessene Würdigung erhielt: Ihre Mitspielerinnen und die Nürnbergerinnen standen bei ihrer Auswechslung Spalier, es gab Umarmungen – vor allem innige mit Svenja Huth – und einige Tränen.
Nicht untergehen darf zudem, dass auch Frauenfußball-Direktor Ralf Kellermann Abschied nahm, der Architekt und Baumeister der langen Wolfsburger Erfolgszeit. Er und Popp wechseln zu Borussia Dortmund. Beide hinterlassen in Wolfsburg eine Lücke – spannend wird, ob und wie der VfL sie schließen kann.
Emotional wurde es ebenfalls bei der SGS Essen. Als Jacqueline Meißner in der 73. Minute das Feld verließ, gab es reichlich Umarmungen, und der Kapitänin war anzusehen, wie ergriffen sie war. Seit 2011 läuft sie für Essen auf. Offiziell ist ihr Abschied bislang nicht kommuniziert worden. Die Bilder ließen allerdings kaum einen anderen Schluss zu.
Was war sonst noch
Einiges. Da wäre der Treffer der Nürnberger Torhüterin Lourdes Romero, die per Freistoß nahe der Mittellinie ins Tor traf, weil keine Spielerin mehr an den Ball kam. Dass Nürnberg das Spiel 1:3 gegen Wolfsburg verlor, ging in der Popp-Abschieds-Thematik beinahe unter. Für Nürnbergs Interimstrainerin Isabel Bauer war es der letzte Einsatz.
Wichtig: Der Hamburger SV bleibt erstklassig. Das galt zwar vor dem Spieltag als nahezu sicher, benötigte aber noch die finale Bestätigung. Diese gab es nun trotz der 0:1-Niederlage gegen Bayern München, bei der sich die Hamburgerinnen teuer verkauften und sogar nahe am Punktgewinn waren. Am Ende wurde trotzdem gefeiert. Interimstrainer Rodolfo Cardoso hat seine Mission erfüllt.
Ebenso wichtig: Das Rennen um Platz drei und den letzten Europacupplatz ist zugunsten von Eintracht Frankfurt entschieden. Allerdings machte es die Eintracht zunächst spannend und lag 0:2 gegen Union Berlin zurück. Die Partie war sinnbildlich für die Spielzeit der Eintracht, die letztlich dank einer Leistungssteigerung und eines Doppelpacks von Laura Freigang noch 4:2 gewann.
Platz drei stand aber ohnehin nie zur Debatte, da Verfolger Leverkusen zeitgleich seine Partie mit 1:3 gegen Werder Bremen verlor.
Ein 0:0 gegen RB Leipzig reichte der TSG Hoffenheim, um an Leverkusen vorbei auf Platz vier einzulaufen. Der 1. FC Köln schloss seine gute Saison mit einem 3:0-Erfolg gegen Carl Zeiss Jena ab.
Abschließende Erkenntnis: Eine Konferenz funktioniert grundsätzlich. Am letzten Spieltag fanden alle sieben Partien parallel statt. Das ist die Art der Fußballübertragung, die den deutschen Fußballfan seit etlichen Jahren erfreut – und die auch im Frauenfußball Einzug halten sollte. 14 Uhr am Sonntag bietet dafür die perfekte Bühne; drei Partien pro Spieltag in einer Konferenz würden reichen. Lieber FBL e. V.: Bitte diese Erkenntnis zum Abschluss der Saison mitnehmen.



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