Gesprächsthemen 16. Spieltag: Niederlage als Mutmacher, Sparmaßnahmen, ein großer Gewinner
- 3. Feb.
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Aktualisiert: 14. Feb.
Spieltag 16 der Frauen-Bundesliga ist Geschichte. Während Jena weiter in der Winterpause feststeckt, rollt auf sechs anderen Plätzen der Ball. Im Kampf um Europa sticht ein Team als Gewinner heraus, im Abstiegskampf muss das Positive gesehen werden – trotz Niederlage.

Der 16. Spieltag begann mit einem Tag Verspätung: In Jena lag am Freitag eine dicke Schneeschicht auf dem Rasenplatz – die Partie gegen Bayern München musste abgesagt werden. In den restlichen Partien ab Samstag rückt die Liga ab Platz drei noch einmal enger zusammen. Im Abstiegskampf gibt es kaum Veränderungen, dafür aber ein neues Gesprächsthema rund um die SGS Essen. Das bleibt von Spieltag 16 hängen.
SGS Essen: Eine Niederlage, die ein Mutmacher sein kann
Erst die 1:2-Niederlage in der Nachspielzeit gegen den Hamburger SV, nun ein 2:4 gegen Union Berlin – trotz 2:0‑Führung. Vermutlich steht für Neu-Trainerin Heleen Jaques mehr mentale Aufbauarbeit an, als ihr lieb sein dürfte. Verlorene Spiele sind selbstverständlich immer schmerzhaft. Das gilt allerdings umso mehr, wenn das Gefühl überwiegt: Das hätte so nicht sein müssen ... Zumindest einen Punkt hätte sich Essen gegen Union Berlin verdient.
Die Partie bot allerdings auch Positives für die SGS: Gerade in der ersten Halbzeit zeigte Essen für mich die beste Offensivleistung der Saison – gute Pressingmomente, Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte, viele Tiefenläufe und teilweise ein sehr ansehnliches Kombinationsspiel. Essen dominierte ab der 25. Minute das Geschehen. Es war ein ganz anderes Auftreten als beim offensiv enttäuschenden Spiel in Hamburg.
Das zwischenzeitliche 2:0 war absolut verdient, der 1:2‑Anschlusstreffer kurz vor der Halbzeit dafür umso unnötiger. Gefühlt befand sich Essen zu diesem Zeitpunkt bereits zum Abklatschen für die gute Leistung in der Kabine. Defensive zogen sich allerdings über das gesamte Spiel Unkonzentriertheiten – Treffer zwei und drei für Union fielen ebenfalls nach vermeidbaren Fehlerketten. Offensiv hat Essen zwar einen Schritt nach vorne gemacht, defensiv dafür wieder an Gleichgewicht verloren.
Jaques und ihr Trainerinnen- und Trainerteam müssen nun eine funktionierende Balance finden – und die Spielerinnen davon überzeugen, dass die Niederlage trotzdem als Mutmacher taugt.
Carl Zeiss Jena: Lange Winterpause durch Sparmaßnahmen
Das schneebedeckte Ernst‑Abbe‑Sportfeld in Jena hätte am Wochenende eine ideale Kulisse für ein Weihnachtssingen abgegeben. Wir haben aber inzwischen Januar – und da muss Schnee nun wirklich nicht sein (meine Meinung). Den Spielplan bringt das obendrein durcheinander: Nach der Absage des Heimspiels von Jena in der Vorwoche gegen den VfL Wolfsburg folgte nun auch die Verschiebung der Partie gegen Bayern München. Durch Frost, Kälte und Schnee steckt Jena unfreiwillig also weiterhin in der Winterpause.
Rein technisch hätten die Absagen nicht sein müssen. Das Ernst‑Abbe‑Sportfeld verfügt über eine Rasenheizung. Die Vereinsführung ließ diese allerdings ausgeschaltet – aus Kostengründen. Pro Tag verschlingt der Betrieb der Rasenheizung offenbar 2000 bis 3000 Euro, wie Jenas Pressesprecher Andreas Trautmann der MDR‑Sendung „Sport im Osten“ mitteilte. Geld, das der Verein einsparen möchte. So verfuhr der Klub bereits in der Vorsaison, was sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern zu Spielausfällen führte.
Kurzfristiges An- und Ausschalten der Rasenheizung funktioniert hingegen nicht. Und eine komplette Heizperiode koste laut Jena einen sechsstelligen Betrag. Dies sei „in der Regionalliga nicht finanzierbar“, so Trautmann – womit er sich entlarvend nur auf die Männermannschaft bezog, die eben in der Regionalliga spielt. Dass die Frauen in der 1. Bundesliga antreten, scheint für die Nutzung der Rasenheizung demnach irrelevant. Wobei zur Wahrheit gehört: Zu den Spielen der Männer kommen derzeit rund siebenmal so viele Fans ins Ernst‑Abbe‑Sportfeld wie zu den Begegnungen der Frauen.
Der DFB schreibt für die Spielstätten der Frauen‑Bundesliga übrigens bislang keine Rasenheizung vor. Daher ist Jenas Sparmaßnahme absolut legitim. Da dieses Verhalten aus der Vorsaison bekannt ist, stellt sich aber die Frage: Welcher DFB‑Spieltagsplaner ist auf die Idee gekommen, die Rückrunde mit zwei Heimspielen im Januar in Jena zu starten?
Bayer Leverkusen: Gewinner im Kampf um Platz drei
Gut, ist beim Blick auf die Tabelle einleuchtend: Leverkusen springt auf Platz drei – dank der Ergebnisse der Konkurrenz. Mir geht es jedoch um den Gesamtauftritt: Nicht alles lief perfekt beim 4:0 gegen den 1. FC Nürnberg, und dennoch hinterließ Bayer einen sehr reifen und abgeklärten Eindruck.
Dass sah vor einigen Wochen noch anders aus. Das schrie das Spiel der Leverkusenerinnen geradezu: Winterpause, dringend! Häufig wirkten die Auftritte fahrig, oft mit deutlichen Leistungsabfällen in der zweiten Halbzeit. Eine simple Statistik dazu: 18 der 24 Gegentore aus den ersten 14 Spielen fielen nach der Pause. Der Kader gehört zu den spannendsten der Liga, doch dieses Potenzial blieb zu oft verborgen. Zur Einordnung: Die vielen Verletzungen haben dabei sicher nicht geholfen.
Ausfälle muss Leverkusen weiterhin verkraften. Torjägerin Cornelia Kramer ist nach ihrer Oberschenkelverletzung noch nicht bei hundert Prozent, gegen Nürnberg fehlte mit der gesperrten Carlotta Wamser zudem eine wichtige Antreiberin. Die Winterpause ist offenbar aber genutzt worden. Gegen Union war die Physis beeindruckend, selbst in Unterzahl gewann Leverkusen bis in die Nachspielzeit beinahe jedes Laufduell; gegen Nürnberg nahm die Dominanz ebenfalls in der zweiten Halbzeit weiter zu.
Vanessa Fudalla und Kristin Kögl verdienen sich außerdem den Titel für das Offensivduo des Monats Januar: Gegen Nürnberg legte Kögl ihrer Stürmerin zwei Treffer auf, und in Berlin bereitete Fudalla den Siegtreffer für Kögl vor. Wo Leverkusen wirklich steht, darüber dürfte die kommende Partie gegen Eintracht Frankfurt Aufschluss geben.
Was war sonst noch?
RB Leipzig gewinnt gegen Eintracht Frankfurt 2:2. Sieht falsch aus, dürfte sich aber für beide Teams genauso anfühlen: Leipzig erzielt den Ausgleich in der vierten Minute der Nachspielzeit. Bei Frankfurt setzt sich indes fort, was Laura Freigang bereits zum Ende der Hinrunde als „irgendwie ist der Wurm drin“ beschrieb.
Im Duell zwischen Werder Bremen (Platz drei) und der TSG Hoffenheim (Platz vier) gab es keine Tore. Der Hamburger SV wiederum kann sein Hoch aus dem 2:1-Erfolg gegen die SGS Essen nicht mitnehmen, verfällt teilweise in alte Muster und verliert 0:2 gegen den SC Freiburg. Zum Abschluss besiegt der VfL Wolfsburg den 1. FC Köln mit 2:1 – wobei der Applaus für einen starken Auftritt vor allem den Kölnerinnen gebührt. Wolfsburg zeigte wiederum einmal mehr die Qualität, enge 50:50-Spiele letztlich für sich zu entscheiden.



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