top of page

Ella Touon: Die Frau für die wichtigen Tore

  • 30. Apr.
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 17 Stunden

In Köln kam sie kaum zum Zug, bei der SGS Essen ist Ella Touon wieder Stammkraft und hält die Hoffnungen auf den Klassenverbleib am Leben. Über ihr Halbjahr in Köln, ihre Champions-League-Erlebnisse – und warum einst eine Telefonnummer ausschlaggebend für ihren Wechsel nach Essen war.


Ella Touon freut sich für die SGS Essen über ihr Tor.
Foto: SGS Essen/Michael Gehrmann

Zuvor schon einmal zwei Tore in einem Spiel erzielt? Bei dieser Frage muss Ella Touon kurz überlegen, während sie auf der sonnigen Terrasse an der Helmut-Rahn-Sportanlage in Essen sitzt. „Ich glaube nicht. Ich schieße nicht so oft Tore, eigentlich gar nicht“, sagt sie lachend, ehe sie anfügt: „Ich habe aber auch selten so weit vorne gespielt.“ Und im Prinzip könnte an dieser Stelle eingeworfen werden: Warum eigentlich nicht?


Am vergangenen Wochenende erzielte Touon zwei Treffer und bereitete zwei weitere Tore vor – in der Rolle als Flügelstürmerin und nicht wie üblich als Außenverteidigerin. Ebenfalls in die Offensive wurde Abwehrchefin Jacqueline Meißner beordert. Ein Kniff, den sich das Trainer- und Trainerinnenteam um Heleen Jaques ausdachte und während der Länderspielpause einstudierte - für mehr offensive Schnelligkeit und einen Überraschungseffekt. Das ist gelungen. Dank des 4:3-Erfolgs gegen Jena hält Essen seine Hoffnungen auf den Klassenverbleib am Leben.


Dass Touon keine Tore schießt, stimmt übrigens nicht ganz. Tatsächlich ist sie sogar die Frau für die wichtigen Tore – zumindest, seitdem sie wieder in Essen ist. In ihrem ersten Einsatz erzielte sie am 18. Spieltag den 1:1-Ausgleich gegen den VfL Wolfsburg, später zudem den 1:0-Siegtreffer im DFB-Pokalviertelfinale gegen Werder Bremen. Und nun der Doppelpack gegen Jena.


Beim 1. FC Köln lief es für Ella Touon nicht wie erhofft


Seit Februar ist Touon per Leihe in Essen – und keineswegs unbekannt: Von 2019 bis 2023 trug sie bereits das lila-weiße Trikot. Dass sie nun zurück ist, hat vor allem mit ihrer Situation beim 1. FC Köln zu tun. Im vergangenen Sommer wechselte Touon aus St. Pölten in die Domstadt, kam dort aber nie richtig zum Zug: Erst bremste sie eine Fußverletzung in der Vorbereitung aus, anschließend war sie im Kader hinten dran. Bis zur Winterpause standen eine Bundesliga-Halbzeit und ein Pokalspiel zu Buche. Ein verlorenes Halbjahr?


„Ich glaube, dass ich in den letzten sechs Monaten viel mitgenommen und mich in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt habe. Trotzdem ist mein Anspruch ein anderer. Ich war schon überzeugt, mich auch in Köln durchzusetzen“, sagt Touon und fügt hinzu: „Grundsätzlich bin ich ein sehr gläubiger Mensch. Dinge passieren immer aus einem gewissen Grund. In Köln habe ich beharrlich weitergearbeitet und versucht, nicht aus Emotionen heraus zu handeln. Das hat sich ausgezahlt.“


Davon profitiert nun zum einen die SGS, die Touon für die Rückrunde ausgeliehen hat – und zum anderen Touon, die wieder unumstrittene Stammkraft ist.


Was Ella Touon einst zur SGS Essen führte? Die Telefonnummer


Geboren ist die 22-Jährige ganz in der Nähe, in Düsseldorf. Kurz darauf zog sie mit ihrer Familie berufsbedingt in die Schweizer Gemeinde Lachen, die nicht nur freundlich klingt, sondern auch malerisch am Zürichsee liegt. Fußball gab es dort lediglich in Jungenteams, sodass Touon irgendwann vor der Frage stand: Wie geht es weiter? Ihr Talent war augenscheinlich, die regionalen Großadressen FC Zürich oder die Grasshoppers Zürich logistisch für die Familie jedoch nicht täglich zu stemmen. Touons älterer Bruder, der damals wieder in Düsseldorf lebte, erkundigte sich nach Optionen in NRW. Was letztlich für die SGS Essen sprach? Die Telefonnummer.


„Es war die einzige Internetseite, die eine Telefonnummer hatte. Bei den anderen Vereinen gab es nur E-Mail-Adressen – und mein Bruder hasst es, E-Mails zu schreiben“, sagt Touon lachend. Fast zeitgleich absolvierte Touon mit dem schweizerischen U15-Nationalteam ein Länderspiel gegen Deutschland. Kurz darauf rief der Scout der SGS zurück – und der Wechsel samt Internatsplatz ins Essener Sport- und Tanzinternat war für die damals 15-Jährige fix.


Die Zeit im Internat? „Ich bin total glücklich, dass ich das gemacht habe. Ich glaube, nirgendwo wird man so schnell erwachsen wie im Internat. Es sind so viele Freundschaften entstanden, weil man so viel Zeit miteinander verbringt. Und ja, mein Bruder war natürlich auch in der Nähe“, sagt Touon.


Konfetti-Dauerregen in St. Pölten


In Essen folgte der rasante Aufstieg aus der B-Jugend zur festen Größe in der Bundesliga – bis 2023 St. Pölten aus Österreich anklopfte. Fortan endete jede Saison für Touon im Konfetti-Dauerregen: Zwei Meisterschaften und zwei Pokalsiege – so die Ausbeute ihres Abstechers nach Österreich. „Für die zwei Jahre in St. Pölten bin ich sehr dankbar. Allein schon, was das Selbstverständnis angeht, jedes Spiel gewinnen zu müssen. Das hat mich auf jeden Fall geprägt und als junge Spielerin weitergebracht.“


Ebenfalls eine Erfahrung: die Auftritte in der Gruppenphase der Champions League. Unter anderem gegen Branchengrößen wie den FC Barcelona, Manchester City oder Olympique Lyon – auch wenn am Ende stets das Erlebnis über dem Ergebnis stand. „Es war surreal, mit den Spielerinnen auf dem Platz zu stehen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Diese Spielerinnen sind natürlich auf einem ganz anderen Level. Das mussten wir neidlos anerkennen. Aber sie spielen auch nur Fußball, und du kannst ihnen auch mal den Ball abnehmen, ohne in Ehrfurcht zu erstarren“, sagt Touon.


Anerkennend fügt sie jedoch hinzu: „Diese Überzeugung und Ausstrahlung auf dem Platz – das hat mich beeindruckt. Das sind Maschinen, denen völlig egal ist, wer ihnen gegenübersteht.“


Über die SGS Essen zurück ins Nationalteam?


Zurück in die Bundesliga und zum 1. FC Köln zog Touon vor allem der Wunsch nach mehr Wettbewerb – und die Hoffnung, wieder für das Nationalteam interessant zu werden. Obwohl in Deutschland geboren, stand für Touon nie zur Debatte, nicht für die Schweiz aufzulaufen. Dort wuchs sie auf, dort lernte sie das Fußballspielen. „Es war irgendwie ein Herzensding“, sagt Touon zu ihrer Entscheidung für die Schweiz.


Mit 18 Jahren gab sie ihr Debüt im A-Team und hätte 2022 für die Schweiz die Europameisterschaft in England bestreiten sollen. Die Nominierung war fix, die Vorbereitung auf das Turnier bereits im Gange, als sich Touon das Syndesmoseband riss. Der EM-Traum war beendet. „Das war schon schwer und keine einfache Zeit, muss ich sagen. Das Turnier konnte ich mir nicht so einfach angucken – vor allem die Spiele der Schweiz nicht“, sagt Touon. Rückblickend zieht sie aber auch aus dieser Zeit positive Erkenntnisse: „Es war meine erste größere Verletzung. Ich habe in der Reha viel gelernt, zum Beispiel, was es überhaupt heißt, als Sportlerin eine Reha zu machen und zurückzukommen.“


Im Nationalteam kam Touon seitdem nicht mehr richtig zum Zug. Vier Einsätze stehen in ihrer Vita – der letzte im Dezember 2023. Entsprechend war auch die Heim-EM 2025 in der Schweiz für Touon kein Thema. „Das hat schon wehgetan, weil das wahrscheinlich nur einmal kommt. Ich bin aber ein Fan davon, die Dinge Tag für Tag anzugehen und zu sehen, was dann der Ertrag ist.“


Die SGS hat ihr schon einmal die Tür zum Nationalteam geöffnet. Ihre neue Qualität als Frau für die wichtigen Tore kann dabei helfen – ihr selbst wie auch der SGS Essen im Kampf um den Klassenverbleib. Im Sommer kehrt Touon dann zum 1. FC Köln zurück. Wie es im Anschluss für sie weitergeht, ist offen.


 
 
 

Kommentare


bottom of page