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Frauen-Bundesliga: Alles schlecht?

6. Sept.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Sept.

Auf das Scheitern von Frankfurt und Wolfsburg in der Champions-League-Qualifikation folgt der mediale Abgesang auf die Bundesliga. Der Transfersommer offenbart einen besorgniserregenden Zustand, der an Versäumnisse der Vergangenheit liegt. Aber ist deshalb alles schlecht? Ja und Nein. Es geht um Grundsatzfragen.


Janina Minge und Sophia Kleinherne vom VfL Wolfsburg
Foto: Markus Verwimp

Die gute Nachricht ging am Donnerstag fast unter: Der DFB hat für den 18. September einen außerordentlichen Bundestag einberufen, um die Satzungsänderungen zur Ausgliederung der Frauen-Bundesliga zu beschließen. Anschließend kann die Bundesliga in die Trägerschaft des Ligaverbands FBL übergehen. Wichtige Schritte also.

 

Für den Frauenfußball standen ab Donnerstag allerdings andere Schlagzeilen im Mittelpunkt: Nach dem Ausscheiden von Eintracht Frankfurt und dem VfL Wolfsburg in der Champions-League-Qualifikation war vom „Tiefpunkt“ der Bundesliga zu lesen – von einer „rasanten Abwärtsspirale“ und einer Liga „auf Abwegen“.


Dass der deutsche Fußball mit dem FC Bayern nun lediglich einen Teilnehmer an der Champions League stellt, ist ein bitteres Zeugnis. Allerdings ist es immer etwas konstruiert, aus einzelnen Spielen generelle Schlüsse zu ziehen.


Denn objektiv ist Wolfsburg auf dem Papier das deutlich bessere Team als Inter Mailand und würde dieses Duell wahrscheinlich in acht von zehn Fällen gewinnen. Klar, dieses Mal war das nicht der Fall, weil Wolfsburg im Rückspiel deutlich unter seinen Möglichkeiten blieb. Hätte Wolfsburg jedoch gewonnen, wäre der große Abgesang womöglich ausgeblieben. Das zeigt etwas den Irrsinn, alles an einem einzigen Spiel festzumachen.


Ein Transfersommer voller sportlicher Verluste

 

Das grundsätzliche Gefühl bleibt jedoch: Der Sommer hat einen besorgniserregenden Zustand der Bundesliga offenbart. 16 Spielerinnen haben die Liga in Richtung England oder Real Madrid verlassen; fast alle von ihnen waren Schlüsselspielerinnen ihrer Vereine. Nie waren es mehr. Im Transfersommer 2025/26 wechselten neun Spielerinnen nach England oder zu Topklubs in Spanien, in den Spielzeiten 2024/25 und 2023/24 waren es jeweils nur vier.

 

Aus Sicht der Bundesliga ist zu befürchten, dass die englischen Klubs bei der nächsten Gelegenheit mit noch mehr Konsumlust nach Deutschland schauen. Und es sieht aktuell eher nicht danach aus, dass die Bundesligisten dem etwas entgegensetzen könnten.


Zu wenig Argumente für die Bundesliga


Die Liga bekommt nun vor Augen geführt, was in den vergangenen Jahren ignoriert, kleingehalten oder aufgeschoben wurde – jeder kann sich hier seinen bevorzugten Begriff aussuchen. Es geht nicht nur darum, dass Spielerinnen in England mehr verdienen können. Problematisch ist auch, dass die Bundesliga in anderen Bereichen kaum Argumente besitzt, um aufstrebende Spielerinnen zu halten. Das betrifft die Infrastruktur, Betreuung, Equal Play und die sportlichen Perspektiven. Es sind Versäumnisse, die sich über Jahre angesammelt haben.


Der Vergleich mit England ist sicherlich nicht immer fair. Schließlich spielen dort Investoren eine größere Rolle. Fakt ist aber, dass die Zukunft des Frauenfußballs dort ohne Einschränkungen gedacht und gestaltet wird. An vielen Standorten entstehen große, moderne Trainingszentren, während es in Deutschland oftmals schon als großer Fortschritt verkauft wird, wenn - böse formuliert - ein Team die Reha- und Athletikräume der Männermannschaft stundenweise mitnutzen darf. Es sind zwei unterschiedliche Geschwindigkeiten.


Investitionen werden nur schleppend getätigt


Exemplarisch sei auf das Trainingsumfeld des VfL Wolfsburg am Elsterweg verwiesen – ein Gelände, das aus der Zeit gefallen wirkt. In Wolfsburg sind sich die Verantwortlichen dessen offenbar seit vielen Jahren bewusst. Passiert ist jedoch wenig, wodurch der Verein seine internationale Spitzenposition irgendwo billigend verspielt hat. Auch Eintracht Frankfurt verharrt seit Jahren gefühlt eher auf dem Status Quo.


Und selbst zum FC Bayern möchte ich anmerken, dass sich der Verein erst jetzt – nach jahrelanger Dominanz – dazu durchgerungen hat, mit dem Kauf des Sportparks Unterhaching und den Plänen für ein modernes Leistungszentrum ab 2029 die Frauenabteilung wirklich zukunftsfähig aufzustellen.


Grundsätzlich gilt: Alles ist eine Frage des Geldes, klar. Viele der Lizenzvereine hätten jedoch durchaus die finanziellen Möglichkeiten gehabt, mehr zu erreichen als das, was nun vorhanden ist.


Es gibt auch gute Signale


Viele Bundesligisten stehen nun vor einer Grundsatzfrage: Was ist ihnen eine international konkurrenzfähige Frauenabteilung wert? Die von Vereinen häufig vorgebrachte Aussage, der Frauenfußball müsse erst rentabel sein, bevor weiter investiert werde, ist in dieser Hinsicht nichts anderes als eine Blockadehaltung.


Dass es anders geht, zeigen Klubs wie der 1. FC Union Berlin oder Borussia Dortmund. Der BVB baut in Dortmund-Brackel für kolportierte zehn bis 15 Millionen Euro ein eigenes Trainingsgelände für die Frauen. Auch Union investiert in ein neues Trainingszentrum für 40 Millionen Euro, das Frauen und Männern gleichberechtigt zur Verfügung stehen soll.


Im Jugendfußball gibt es zudem wieder hoffnungsvollere Jahrgänge wie die U17, die im Sommer Europameister geworden ist, oder die U19, die ins EM-Finale kam. Diese Teams bestehen aus Spielerinnen, die in den kommenden Jahren die Liga beleben könnten. Eine Schlüsselrolle mit enormer Verantwortung kommt zudem der FBL zu, um die Liga in puncto Vermarktung, Struktur und Ansehen zukunftsfähig aufzustellen. Es ist daher nicht alles schlecht, vieles nur etwas spät und bislang sehr langsam.


Die FBL hat allerdings zu Beginn gleich ein Problem. Es stehen nun die Gespräche über die Medienrechte der Frauen-Bundesliga ab der Saison 2027/28 an – erstmals mit der FBL in der Rolle der Verkäuferin. Da hilft es am Verhandlungstisch selbstredend kaum, dass die Bundesliga mit nur einem Champions-League-Teilnehmer genauso viele Vertreter stellt wie die Ligen aus der Schweiz, Österreich und Belgien. In dieser Hinsicht haben Frankfurt und Wolfsburg der Liga womöglich tatsächlich einen Bärendienst erwiesen.

 
 
 

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