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Frauen-Bundesliga: Ein Spiel für die Annalen, Applaus für Jena und Hoffenheim stagniert

  • 31. März
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Mai

Spieltag 22 der Bundesliga ist Geschichte. Denkwürdige Szenen spielen sich bei der Partie zwischen Wolfsburg und Union Berlin ab, Carl Zeiss Jena ist ein Musterbeispiel, wie man sich als Außenseiter gegen den Abstieg stemmt und hat Hoffenheim ein Offensivproblem?


Foto: Shutterstock / Gabor Baumgarten
Foto: Shutterstock / Gabor Baumgarten

Was für ein denkwürdiger Nachmittag in Wolfsburg: Die Partie gegen Union Berlin dürfte vielen Zuschauerinnen und Zuschauern noch lange in Erinnerung bleiben. Im Abstiegskampf holt einzig Carl Zeiss Jena einen Zähler und verdient für den Auftritt gegen RB Leipzig jede Menge Anerkennung. Bei den Leipzigerinnen stellen sich für mich hingegen immer mehr Fragen. Im Kampf um Platz drei leistet sich diesmal kein Team einen Patzer: Frankfurt, Hoffenheim, Leverkusen und Bremen holen jeweils Siege. Bei der TSG Hoffenheim bin ich trotzdem nicht ganz überzeugt. Die Gesprächsthemen.

 

Wolfsburg gegen Union: Ein Spiel für die Bundesliga-Annalen


Wer sich diese Partie im Re-Live anschauen möchte, kann die ersten 40 Minuten getrost überspringen. Was danach passierte, bot dafür besten Unterhaltungswert – zumindest für Zuschauerinnen und Zuschauer, die es weder mit dem VfL noch mit Union Berlin halten. Am Ende stand ein wildes 3:3-Remis.


Die defensiven Patzer des VfL sind Material für jeden Saisonrückblick. Unkonzentriertheiten, die nicht passieren dürfen – und unglücklicherweise eben doch passieren können. Die Fülle an Aussetzern an einem Tag war allerdings grotesk: Guro Bergsvand verlor nach der Spieleröffnung am eigenen Fünfer den Ball – Union traf durch Hannah Eurlings (43.). Und Camila Küver bugsierte den Ball per halbhohem Rückpass aus 30 Metern vorbei an Torhüterin Stina Johannes ins Tor – 2:1 für Union.


Zwischendrin erzielte Janina Minge per sehenswertem Volleytreffer von der Strafraumgrenze das 1:1. Die Kapitänin des VfL stand ebenfalls ab der 87. Minute im Mittelpunkt, als sich die Mittelfeldspielerin ein rotes Torwarttrikot überziehen musste. Bedanken durfte sie sich dafür bei Johannes, die bei einem Klärungsversuch außerhalb des Sechzehners plump (meine Meinung) Nele Bauereisen abräumte. Rot. Umso bemerkenswerter, dass Minge sich anschließend ohne Zögern das Torwarttrikot holte, da Wolfsburg nicht mehr wechseln durfte. Führungsspielerin eben.



Was bleibt als Fazit? Nach dem beeindruckenden 1:0-Erfolg unter der Woche im Champions-League-Viertelfinale gegen Olympique Lyon nahm Trainer Stephan Lerch wenig überraschend sechs Wechsel vor. Dass nicht alle Abläufe eingespielt wirkten, klar. Der Gedanke ist für mich jedoch naheliegend, dass Wolfsburg kopfmäßig mehr mit dem Rückspiel am Donnerstag in Lyon beschäftigt war, als man selbst zugeben würde. Beeindruckend war indes, welche Dynamik Wolfsburg in Unterzahl entwickelte – und noch zum verdienten Ausgleich kam. Passend zu dieser Partie fiel das Tor in der fünften Minute der Nachspielzeit durch Judit Pujols.


Für Union dürfte daher am Ende ein Hadern bleiben – denn dieses Spiel hätte das Team nicht mehr aus der Hand geben müssen. Trotzdem ist eine Entwicklung unverkennbar. Das hohe Pressing gegen Wolfsburg funktionierte gut, die defensiven Abläufe ließen die Gegnerinnen zudem lange recht ideenlos wirken. Personell zeigt die wendige Eurlings nach langer Verletzung, welch ein Gewinn sie für die Union-Offensive sein kann. Das Gleiche gilt für Tanja Pawollek als Spielgestalterin im Mittelfeld. Vieles geht allmählich in die richtige Richtung.

 

Carl Zeiss Jena: Applaus für diesen Willen – bei Leipzig stellen sich Fragen


Es ist kein Geheimnis, wenn ich jetzt sage, dass Jena in Summe fußballerisch limitierter ist als andere Bundesligisten. Der Klub agiert schlicht mit deutlich geringeren Mitteln als die Konkurrenz. Umso höher ist die Trainerarbeit von Florian Kästner zu bewerten, der das Team strategisch an vielen Spieltagen auf ein höheres Niveau hebt. An Einsatzwillen ist Jena ohnehin kaum zu überbieten. Klingt abgedroschen. Aber wie die Jenaerinnen jeden Laufweg absolvierten und um jeden Ball kämpften, verdient einfach Anerkennung – auch wenn es gelegentlich etwas wild aussieht.


Anschauungsmaterial gab es am Freitag beim 1:1 gegen Leipzig. Der Ausgleich durch Isabella Jaron fiel glücklich: per Freistoß aus 40 Metern, den RB-Torhüterin Elvira Herzog unterschätzte. Aber kaum jemand wird sagen, dass ein Tor für Jena an diesem Abend unverdient war.


Klar, elf Punkte sind eine überschaubare Ausbeute nach 22 Spieltagen. Jeden dieser Punkte hat Jena jedoch mit hohem Aufwand erkämpft. Allein das zeugt von einem bemerkenswert intakten Team. Der Klassenverbleib ist weiterhin möglich. Abschreiben sollte man dieses Team nicht.


Bei RB Leipzig stellen sich für mich hingegen zunehmend Fragen – losgelöst von den Ergebnissen. Der Spielansatz unter Jonas Stephan ist klar erkennbar: schnelles Umschaltspiel. Trotzdem wirken die Abläufe manchmal unkoordiniert, mit auffallend vielen Ungenauigkeiten. Liegt das am Training oder an den Spielerinnen? Diese Frage muss sich die Vereinsführung stellen.


Ab der 63. Minute spielte Leipzig in Überzahl – zu merken war davon nicht viel. Es offenbarte sich einmal mehr, dass Leipzig außer Umschaltspiel nur wenige Mittel besitzt, um fußballerisch zu überzeugen. Der Auftritt gegen Jena gehört einmal mehr in die Schublade mit der Aufschrift: Damit kann in Leipzig niemand zufrieden sein. Und langsam bietet diese Schublade nicht mehr so viel Platz. So drastisch muss ich es leider ausdrücken.

 

TSG Hoffenheim: Stagnation in der Offensive?


Tabellenplatz vier, nur vier Punkte hinter Platz drei und der Europapokal-Qualifikation – bei der TSG Hoffenheim ist sportlich alles im Soll. Am Wochenende gab es einen 2:1-Auswärtssieg beim SC Freiburg. Trotzdem: So richtig überzeugt bin ich nicht, was die TSG derzeit präsentiert.


In Freiburg durfte sich das Team von Eva Maria Virsinger am Ende gewiss etwas glücklich schätzen, nicht den Ausgleich kassiert zu haben. Zwar stand nach zehn Minuten bereits eine 2:0-Führung auf der Anzeigetafel, und Hoffenheim drängte Freiburg mit gutem Pressing in dessen Hälfte. Mit zunehmender Spieldauer war Freiburg allerdings das gefährlichere Team – und Hoffenheim verlor die Spielkontrolle.


Was auffällt: Die TSG hat im Ballbesitz derzeit wenig Mittel, um sich gute Abschlusschancen zu erspielen. Die Statistiken der vergangenen Wochen untermauern diesen Eindruck: Beim Expected-Goals-Wert lag Hoffenheim in diesem Spiel mit 1,20 hinter Freiburg (1,40). Noch eklatanter fiel der eigene Wert in den Vorwochen gegen den VfL Wolfsburg (0,40) und Eintracht Frankfurt (0,25) aus. Selbst beim 4:0 gegen die SGS Essen kam Hoffenheim nur auf einen Expected-Goals-Wert von 1,40. Offensiv stagniert die TSG aktuell.


Dass mit Melissa Kössler ein wichtiger Baustein fehlt, lässt sich womöglich an Selina Cerci erkennen. Ohne ihre Sturmpartnerin fehlt Cerci in der Rückrunde etwas die Anbindung an das Spiel. Seit Jahresbeginn kommt die Nationalspielerin in acht Partien erst auf zwei Tore und eine Vorlage.


Was war sonst noch?

 

Bayern München löst die Pflichtaufgabe gegen den 1. FC Nürnberg mit 2:0 und holte damit den 18. Ligasieg in Serie. Eintracht Frankfurt festigt zudem den dritten Tabellenplatz nach einem 2:1-Sieg beim 1. FC Köln – wobei die Eintracht erst in der zweiten Halbzeit aufwachte und das Spiel noch drehte. Im Abstiegskampf verpasst die SGS Essen die Wiederholung des DFB-Pokalcoups im Viertelfinale gegen Werder Bremen – in der Liga behält Werder mit 2:1 die Oberhand. Glücklicherweise aus Sicht der Essenerinnen holt der Hamburger SV ebenfalls keine Punkte und verliert mit 1:3 gegen Bayer Leverkusen. Mit einem Tor und zwei Vorlagen brilliert Katharina Piljic in diesem Spiel.



 
 
 

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