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Frauen-Bundesliga - Redebedarf 1. Spieltag: Unzufrieden. Unangenehm. Überlegen.

24. Aug.
5 Min. Lesezeit

Spieltag eins der Saison 2026/27 ist Geschichte. Der FC Bayern München ist standesgemäß gestartet, hat zugleich aber eine individuelle Auszeichnung erhalten, über die zu Reden ist. Der VfL Wolfsburg bekommt acht Tore geschenkt und der VfB Stuttgart verdient Applaus.


Giulia Gwinn ist die Fußballerin des Jahres in Deutschland
Foto: Shutterstock / Gabor Baumgarten

Die Spielzeit 2026/27 hat ihre ersten Eindrücke hinterlassen. An der Tabellenspitze steht der VfL Wolfsburg dank einer Torgala in der zweiten Halbzeit. Daran hat allerdings der 1. FC Nürnberg als Gegner fast größeren Anteil als der VfL selbst. Beim FC Bayern München ist derweil über ein Thema zu sprechen, für das der Verein und insbesondere Giulia Gwinn nichts können. Und der VfB Stuttgart ist auf bemerkenswerte Weise in seine erste Bundesliga-Saison gestartet. Weniger erfreulich lief der Spieltag hingegen für einige Torhüterinnen. Die Gesprächsthemen.


Unzufrieden: Wolfsburgs irreführender 8:2-Sieg


Über ein 8:2 muss gesprochen werden. Mit diesem Ergebnis schlug der VfL Wolfsburg am Samstag den 1. FC Nürnberg. Zugleich ist es jedoch ein Resultat, das irreführend sein kann. Denn wer daraus eine absolute Dominanz der Wolfsburgerinnen ableitet, liegt etwas falsch.


Vielmehr fing die TV-Kamera in der ersten Halbzeit regelmäßig einen grimmig dreinschauenden Stephan Lerch ein, der mit dem Auftritt des VfL sichtbar unzufrieden war. Zur Pause führte Nürnberg mit 2:0 – gewiss etwas glücklich, aber nicht unverdient. Bei der Ligapremiere von Trainer Omar Adlani traten die Nürnbergerinnen zweikampfstark und zunächst mit einem besseren Spielfluss als in der Vorsaison auf, während Wolfsburg in vielen Aktionen zu überhastet und ungenau agierte. Allerdings: Bei Nürnberg ließ sich früh erkennen, wie arg gefährlich das Team unterwegs war. Oft klafften riesige Räume vor der Abwehrreihe oder auf den Flügeln, häufig offenbarte sich das Tempodefizit in der Defensive. Nur nutzte Wolfsburg die daraus entstehenden Chancen bis dahin nicht – zum Ärger von Lerch.


Knackpunkt des Spiels war sicherlich der – völlig unnötige – Platzverweis für Fany Proniez in der 51. Minute. Erst sah sie die Gelbe Karte, weil sie die Ausführung eines Freistoßes behinderte, dann eine zweite wegen eines ungestümen Einsteigens gegen Lara Prasnikar. Ein Bärendienst. Die schnellen Gegentore in Unterzahl taten ihr Übriges. Aber dass ein Team dermaßen von der Rolle gerät, habe ich auf diesem Niveau selten gesehen. Beinahe jeder Angriff der Wolfsburgerinnen führte fortan zu einem Treffer. Selbstvertrauen konnte vor allem Cora Zicai aufbauen, die zunächst den Elfmeter zum 1:2 und anschließend zwei Tore zur zwischenzeitlichen 3:2-Führung beisteuerte. Auf dem linken Flügel spielte sie sich gegen die überforderten Nürnbergerinnen in einen regelrechten Rausch.



Spannend bleibt die Frage, was beide Trainer aus diesem Spiel mitnehmen. Lerch dürfte vor allem die erste Halbzeit beschäftigen. Über den Sieg wird er sich freuen, zugleich aber einordnen können, dass die acht Tore mehr mit Nürnbergs Schwächen zu tun hatten. Selten dürfte ein Team mit acht Treffern im Nachhinein so viel aufzuarbeiten haben.


Nicht minder umfangreich dürfte die Analyse für Adlani ausfallen. Acht Gegentore im ersten Saisonspiel hinterlassen ein übles Gefühl in der Magengegend. Nun ist Adlani gefordert, die Erlebnisse der zweiten Halbzeit schnell mit den Spielerinnen zu verarbeiten. Von außen betrachtet keine einfache Aufgabe.


Unangenehm: Wahl zur Fußballerin des Jahres


Standesgemäß ist der FC Bayern mit einem 4:1-Erfolg gegen Union Berlin in die Spielzeit gestartet. Nicht alles lief beim Titelverteidiger reibungslos: In der Defensive offenbarte die Bayern-Abwehr einige Tempoprobleme – innen wie außen. Außerdem fehlte es im Mittelfeld etwas an Ordnung und Kontrolle. Im Grunde bleiben die Bayern national aber unantastbar.



Am Sonntag stand dann eine Spielerin der Münchnerinnen im Mittelpunkt, die beim Eröffnungsspiel am Freitagabend angeschlagen nicht zum Einsatz gekommen war: Giulia Gwinn. Sie wurde zur Fußballerin des Jahres in Deutschland gewählt. Moment mal: Gwinn? Nicht Larissa Mühlhaus, Klara Bühl oder Pernille Harder?

Mit diesen Zeilen möchte ich keinesfalls Gwinn angreifen, die eine herausragende Fußballerin ist. Es geht einzig um das Ergebnis der Wahl und die Frage, was daraus abzuleiten ist.


Denn die Saison 2025/26 war nun wirklich kein Spitzenjahr in Gwinns Karriere. Verletzungsbedingt kam sie nur in 17 von 26 Bundesligapartien zum Einsatz und reichte in vielen Statistiken nicht an ihre Vorjahreswerte heran. Auch in der Nationalmannschaft bestritt sie verletzungsbedingt nur sieben Spiele. Wo also soll sie Argumente für ihre Wahl gesammelt haben?


Dass Gwinn die vom „Kicker“ organisierte Auszeichnung trotzdem erhalten hat, ist mindestens merkwürdig und sagt bedauerlicherweise viel darüber aus, wie viele Journalisten den Frauenfußball verfolgen – nämlich offenbar nur nebenbei. Eine böse Vermutung: Viele haben womöglich allein aufgrund des Namens abgestimmt. Gwinn kennt man eben; mit Gwinn kann man auch als Laie vermeintlich nichts falsch machen. Das wäre jedoch ein Armutszeugnis über den Ablauf der Wahl und nicht im Sinne einer wertschätzenden Haltung zum Frauenfußball.


Bei der Wahl mit 618 gültigen Stimmen von Mitgliedern des Verbands Deutscher Sportjournalisten ging Gewinn mit 108 Stimmen als Siegerin hervor. Bühl kam als Zweitplatzierte auf 94 Stimmen.


Offensichtlich war das Ergebnis dem „Kicker“ und Gwinn selbst etwas unangenehm. Zumindest verwies das Fachmagazin bei der Verkündung darauf, dass Gwinn von ihrer Wahl „überrascht“ gewesen sei. Zwar bedankte sich Gwinn artig, sagte im Interview aber ebenfalls: „Um ehrlich zu sein, hatte ich nicht damit gerechnet, in diesem Jahr gewählt zu werden. Deshalb war mein erster Gedanke auch: Wirklich ich?“ Für Gwinn hätte Teamkollegin Klara Bühl den Titel eher verdient gehabt.


Einen lesenswerten Kommentar über die Wahl und mögliche Konsequenzen daraus hat übrigens der Blog „Miasanrot“ verfasst: Dann lasst es halt ganz.


Überlegen: Stuttgart im Südwestduell gegen Hoffenheim


Für die TSG Hoffenheim ging es zum Auftakt in die große Arena. 4.642 Zuschauerinnen und Zuschauer kamen – eine ordentliche Zahl. Angesichts des Gegners aus der Nachbarschaft, des VfB Stuttgart, hätte man sich allerdings vielleicht etwas mehr erhofft. Wer es mit der TSG hält, wird sich ohnehin nur ungern an das Spiel erinnern. Stuttgart gewann das Südwestduell mit 2:1. Für mich war es ein bemerkenswerter Auftritt des Aufsteigers – sowohl in der Spielanlage als auch in der individuellen Qualität.


Defensiv fand die TSG gegen das engmaschige Spiel des VfB mit Fünferkette und hoher Gegnerinnenorientierung kaum Räume. Offensiv liefen die Hoffenheimerinnen immer wieder dem schnellen Vertikalspiel der Stuttgarterinnen in die Falle – begünstigt durch die Überzahl in der Spielfeldmitte mit einer Doppelspitze aus Nicole Billa und der sehr auffälligen Mira Arouna, der agilen Dafina Redzepi in freier Rolle dahinter sowie der stets einrückenden Maximiliane Rall. Das war kein revolutionärer Fußball, in seiner disziplinierten Ausführung der TSG jedoch überlegen.



Die beiden Tore gingen schließlich auf das Konto von Rall, die stellvertretend für den offenbar gewinnbringenden Mix aus Erfahrung und jungen Talenten steht. Einen Treffer erzielte die 32-jährige Kapitänin per Kopf, den zweiten im Nachschuss. Beinahe wäre Rall sogar noch ein dritter Treffer gelungen, doch TSG-Torhüterin Laura Dick parierte ihren Abschluss aus freier Schussbahn.


Bei der TSG nun über das Fehlen von Selina Cerci zu diskutieren, wäre mir zu kurz gegriffen. Ich persönlich sehe die Probleme tiefer. Dass es trotz viel Ballbesitzes gegen gut organisierte Gegnerinnen an kreativen Momenten fehlt, war bisweilen schon in der Vorsaison zu erkennen. Gegen Stuttgart zeigte sich dies nun erneut. Für die TSG sollte das ein dicker Eintrag im Aufgabenheft der kommenden Wochen sein.


Was war sonst noch?


Unweigerlich sind einige Torhüterinnen ins Blickfeld gerückt – allerdings nicht im positiven Sinne. Stina Johannes konnte beim zwischenzeitlichen 0:2 gegen den 1. FC Nürnberg einen Ball nicht kontrollieren. Nürnbergs Schlussfrau Lourdes Romero klärte wiederum einen Eckball zur Vorlage für Weronika Araśniewicz.

Unions Cara Bösl bewies beim Freistoßtor von Klara Bühl ebenfalls kein glückliches Händchen beim Stellen der Mauer. Sie stand letztlich zu weit in der Mitte, sodass Bösl den Ball im Eck nicht mehr erreichen konnte. Auch Leipzigs Elvira Herzog sah bei beiden Gegentoren zum 0:2 gegen Bayer Leverkusen nicht gut aus. Insbesondere beim zweiten Treffer, einer Bogenlampe vor ihr Tor, ließ sie sich von der heranstürmenden Maja Sternad völlig überrumpeln.


Positiv war hingegen das Debüt der 17-jährigen Torhüterin Anna Reimann, die beim SC Freiburg den Vorzug erhielt. Beim sehenswerten Treffer zum 1:1-Endstand durch Nikola Karczewska war sie machtlos. Karczewska lässt in Hamburg derweil die Hoffnung keimen, eine Torjägerin gefunden zu haben. Eintracht Frankfurt besiegte zudem den 1. FC Köln mit 2:0. Laura Freigang bestätigte mit ihrem Doppelpack ihre in der Vorbereitung wiedergewonnene Form. Zum Abschluss gewann Werder Bremen am Montag mit 2:1 gegen Aufsteiger FSV Mainz.




 
 
 

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