Redebedarf 2. Spieltag: Ernüchternd. Erkämpft. Erholt.
Aktualisiert: 2. Sept.
Spieltag 2 der Frauen-Bundesliga 2026/27 ist Geschichte. Die Liga verliert mit Carlotta Wamser eine weitere Nationalspielerin, der 1. FC Nürnberg zeigt eine bemerkenswerte mentale Stärke und andere Teams haben früh in dieser Spielzeit einiges zum Grübeln.

Bundesliga: Ernüchternde Bilanz
Wer die Bundesliga bei Magenta Sport verfolgt, dürfte vielleicht mitbekommen haben, dass Tabea Kemmes Meistertipp für diese Spielzeit Bayer Leverkusen lautet. Immerhin wiederholt der Sender diese Prognose regelmäßig. Eine gewagte Vorhersage – ich sage nur: FC Bayern München. Angesichts der vielen vielversprechenden Transfers ist Leverkusen aber allemal eine größere Rolle zuzutrauen. Der VfL Wolfsburg war nun der erste Gradmesser.
Gesprächsthema war vor der Partie aber vor allem Carlotta Wamser. Sie fehlte im Aufgebot, ebenso wie Loreen Bender. Während Bender angeschlagen ausfiel, galt das hingegen für Wamser ausdrücklich nicht, wie Achim Feifel, Sportlicher Leiter des Vereins, vor der Partie bei Magenta Sport sagte. Mehr wollte er sich nicht entlocken lassen. Am nächsten Tag bestätigten sich die Gerüchte: Wamser wechselt kurz vor dem Ende des Transferfensters zu Manchester City – für angeblich 650.000 Euro.
Für die 22-Jährige ist der Wechsel eine Karrierechance. Für Leverkusen gibt es eine gute Ablöse. Für die Fans und das Gesamtbild der Liga ist die Fülle an Abgängen jedoch ernüchternd. Mit Wamser sind es nun 16 Spielerinnen, die in diesem Sommer aus der Bundesliga nach England oder zu Real Madrid gewechselt sind. Fast alle von ihnen waren Schlüsselspielerinnen bei ihren Vereinen – darunter die deutschen Nationalspielerinnen Vivien Endemann (Liverpool), Nicole Anyomi (London City), Elisa Senß (Real Madrid), Selina Cerci (FC Arsenal) und nun Wamser.
Die Zahl der Abgänge nach England sowie zu Real Madrid oder dem FC Barcelona ist somit deutlich gestiegen: Im Transfersommer 2025/26 waren es neun Spielerinnen, in den Spielzeiten 2024/25 und 2023/24 lediglich vier. Die wenig gewagte These dazu: Die wachsenden finanziellen Spielräume in England und vor allem bei Real Madrid führen dazu, dass die Bundesliga mehr denn je als beliebter Einkaufsmarkt wahrgenommen wird. Und ja, das ist bedenklich, weil dieser Trend künftig womöglich noch zunimmt. Die Bundesligisten scheinen dem nur wenig entgegensetzen zu können – oder zu wollen.
Zum Spiel: Leverkusen verlor die Partie gegen Wolfsburg mit 1:2. Insbesondere die neue Breite des Kaders kam für Leverkusen in der Schlussphase gewinnbringend zum Tragen. Herausragende Einzelspielerinnen wie Ella Peddemors und Cora Zicai hatte Leverkusen an diesem Tag allerdings nicht. In Summe war Wolfsburg das spielstärkere Team. Bei beiden Gegentoren sah Lilla Turanyi mit ihrem etwas unglücklichen Stellungsspiel zudem nicht gut aus. Kemme sollte ihren Meistertipp für Leverkusen eventuell noch einmal überdenken – vor allem, weil Wamser nun fehlt.
SC Freiburg: Erkämpfte drei Punkte
Rund um den Transfersommer entstand beim 1. FC Union Berlin gewissermaßen ein Hype. Die Zugänge waren aufsehenerregend, und auch Trainerin Marie-Louise Eta weckte einige Erwartungen. Nun stehen die Unionerinnen nach zwei Spieltagen noch ohne Punkte da. Und während die Auftaktniederlage gegen den FC Bayern irgendwo erwartbar war, gilt das nicht für die – aus meiner Sicht – verdiente 0:1-Niederlage gegen den SC Freiburg.
Die Freiburgerinnen fanden besser als noch am ersten Spieltag in das von Trainer Marco Konrad eingeforderte Pressing, insbesondere in der zweiten Halbzeit. Nicht alles funktionierte perfekt, doch der Sportclub sparte kaum einen Laufweg aus, was Union durchaus zu schaffen machte. Allerdings brachten sich die Berlinerinnen durch viele unsaubere Pässe und Ballkontakte auch immer wieder selbst in Gefahr, gerade in der eigenen Hälfte. Nur in der ersten halben Stunde bekam Union das Spiel unter Kontrolle – trotz deutlich mehr Ballbesitz über die gesamte Partie.
Interessant ist, wie sehr Statistiken eine andere Geschichte erzählen: Laut FotMob lagen die Unionerinnen bei der Zweikampfquote (55:45) und der Passquote (80:69) vorn – der Augentest hatte mir etwas anderes suggeriert. Für Freiburg sprachen hingegen der Expected-Goals-Wert (2,51 zu 1,64), die Zahl der Abschlüsse (26:19) und die Ballkontakte im gegnerischen Strafraum (46:24).
Die vielen Ballberührungen im Sechzehner waren allerdings auch darauf zurückzuführen, dass Freiburg vor dem Abschluss Ruhe und Entschlossenheit vermissen ließ. Oft wurde noch ein Pass oder ein weiteres Abdrehen gesucht. Der Siegtreffer fiel schließlich durch Lisa Karl nach einem Eckball – das erste Standardtor des Sportclubs übrigens seit der Saison 2024/25.
Hervorheben möchte ich noch den abgeklärten und überzeugenden Auftritt der 17-jährigen Anna Reimann, die in Freiburg nun offenbar die Nummer eins ist. Freiburg hat sich diesen Sieg mit großem Einsatz erkämpft. Das Potenzial des 1. FC Union Berlin ist unverändert riesig. Gegen Freiburg waren davon aber lediglich Bruchteile zu sehen.
1.FC Nürnberg: Erholt vom Debakel
Ich war selbst nie in einer solchen Situation. Aber eine Halbzeit, in der ein Team mit acht Gegentore völlig zusammenbricht, kann nachhaltig verunsichern – insbesondere, wenn es sich um das erste Saisonspiel handelt. Ich muss daher ein Chapeau an den 1. FC Nürnberg aussprechen. Offenbar haben das Trainerteam um Omar Adlani und die Spielerinnen die richtigen Knöpfe gefunden. Die 2:8-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg spielte beim 1:1 gegen Frankfurt keine Rolle mehr.
Allerdings – und diese Feststellung ist eigenartig genug – erwies sich die Eintracht als idealer Aufbaugegner. Es wäre durchaus eine Überlegung wert gewesen, einen vermeintlich verunsicherten Gegner sofort forsch anzugehen. Stattdessen machte Frankfurt keinerlei Anstalten, das Spiel an sich zu reißen. Es folgte ein merkwürdig lethargischer Auftritt der Eintracht in der ersten Halbzeit. Nürnberg hatte mehr Ballbesitz (54:46 Prozent) und spielte mehr Pässe (176:124). Am Spielende lag Nürnberg in beiden Statistiken ebenfalls vorn.
Das führt mich zu zwei Auffälligkeiten. Frankfurt hatte bereits beim Saisonauftakt gegen den 1. FC Köln (2:0) weniger Ballbesitz als der Gegner (45:55 Prozent). Das ist bemerkenswert, weil Frankfurt in der vergangenen Saison noch den dritthöchsten Ballbesitzanteil aller Teams aufwies (56,6 Prozent). Inwiefern die Eintracht nun grundsätzlich auf weniger Ballbesitz anstrebt, bleibt abzuwarten. Gegen Nürnberg ging der etwas passivere Ansatz allerdings nicht auf. Der Ausgleich fiel erst in der 86. Minute. Anlaufverhalten, Zweikämpfe und Passspiel – überall hakte es an diesem Nachmittag. Dass Trainer Niko Arnautis im Vorfeld sechs Wechsel vornahm, mag eine Rolle gespielt haben, darf bei den Ansprüchen der Eintracht aber eigentlich nicht.
Nürnberg hatte wiederum in der vergangenen Spielzeit mit Abstand den geringsten Ballbesitz (31,1 Prozent) und die schlechteste Passquote (54,1 Prozent), was auf den kontergeprägten Spielstil zurückzuführen war. Adlani ist angetreten, Nürnbergs Spiel spielerisch breiter aufzustellen. Nach zwei Spielen fällt der erste Eindruck – zumindest in drei der vier Halbzeiten – zuversichtlich aus. Vielversprechend war auch das Startelfdebüt von Louna Lapassouse: mit einem Treffer, viel Laufarbeit und großem Offensivdrang. Im besten Fall erweist sie sich als die erhoffte Spielerin, die Nürnbergs Abhängigkeit von Nastassja Lein verringert.
Was war sonst noch?
Stichwort Ernüchterung: Das dürfte auch für RB Leipzig gelten. Zwei Spiele, null Punkte und null Tore. Tabellenschlusslicht. Gegen Werder Bremen setzte es nun eine 0:2-Niederlage. Bei Bremen taten sich zwei Neuzugänge hervor: Mei Shimada erzielte das 1:0, Julia Magerl erhöhte gegen ihren ehemaligen Klub auf 2:0.
Überraschend noch ohne Punkt ist auch die TSG Hoffenheim, die bei der 0:1-Niederlage gegen den 1. FC Köln erneut Probleme offenbarte, Offensivpräsenz zu entwickeln. Aufsteiger VfB Stuttgart schlug zudem den Hamburger SV mit 2:1 und zeigte deutlich, dass dieses Team absolut Bundesliga-Niveau besitzt. Zum Abschluss schlug sich Aufsteiger Mainz achtbar gegen den FC Bayern und verlor lediglich mit 0:2. Erfreulich auf Seiten der Bayern: Lena Oberdorf kam in der 71. Minute zu ihrem Comeback nach Kreuzbandriss.



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